OptimumText Schreibtipp: Recherchieren und belegen
In einer wissenschaftlichen Arbeit müssen Sie Ihre Aussagen belegen. Wie, das klingt banal? Sicherlich ist es eine der ersten Lektionen, die die Studenten an der Uni lernen, dass sie Aussagen, die sie aus anderen Texten übernehmen, belegen müssen. Aber nicht immer arbeiten sie mit wissenschaftlicher Literatur. Manchmal ist es einfach erforderlich, eine Information, die Sie irgendwann irgendwo aufgeschnappt haben, in einem Text unterzubringen.
Ein Beispiel aus meiner Arbeit: Ein Lehramtsstudent schreibt in einem Praktikumsbericht einen ganzen Absatz darüber, dass seine Praktikumsschule sich in einem sozialen Brennpunkt befindet. Man könne das allerdings nicht so einfach behaupten, zwar seien die Arbeitslosenzahlen hoch, aber zu einem sozialen Brennpunkt gehörten ja schließlich noch weitere Faktoren, usw. Genauso wie ich über diesen Absatz stolperte, wäre es auch dem Dozenten gegangen.
Was tut man also mit solchen Angaben, die man vor längerer Zeit in der Zeitung gelesen hat, einer Statistik, die letztes Jahr im Fernsehen erwähnt wurde? Die Antwort liegt auf der Hand: In Zeiten des Internet findet sich meistens auch ein schriftlicher Beleg. Zumindest sollte man es probieren. In obigem Fall reichte es, den Namen der Stadt, den Namen des Viertels und das Stichwort "sozialer Brennpunkt" bei Google einzugeben, und schon hatte ich zahlreiche Nennungen - darunter den Sozialbericht der Stadt, also eine absolut vertrauenswürdige Quelle.
Heute ist es kein Problem mehr, aus dem Internet zu zitieren. Achten Sie aber darauf, wie glaubwürdig Ihre Quelle ist - zeit.de wirkt seriöser als das Blog eines Unbekannten.
Kennt man den Urheber lässt sich - ebenfalls mit Hilfe des Internets - meist leicht eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse herausfinden. Im Fall des sozialen Brennpunkts hätte man, wäre der Bericht nicht im Internet veröffentlicht gewesen, mit einem Anruf bei der Stadtverwaltung sicherlich leicht klären können, wo man Informationen darüber findet - allerdings bin ich bei diesem Beispiel davon überzeugt, dass man auch in der Bibliohek hätte fündig werden können.
Apropos Bibliothek: War es bis vor kurzem für Studierende noch eine Selbstverständlichkeit, in der Bibliothek zu recherchieren, so neigen heute einige Studenten dazu, diese Einrichtung für halbwegs überflüsig zu halten. Auch heute dürfen Sie auch nicht darauf vertrauen, dass Sie alles im Internet finden. Ich habe gehört, dass Studenten sich empört in der Unibibliothek beschwert haben, weil sie zu einem bestimmten Thema nichts im Netz gefunden haben. Gerade bei älteren Belegen dürfte das immer noch der Normalfall sein - nutzen Sie also die Führungen und Kurse, die die meisten Bibliotheken für Studienanfänger anbieten. Über kurz oder lang kommt man nicht darum herum, sich mit den vielfältigen Recherchemöglichkeiten vertraut zu machen.
Die Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung sind in den letzten Jahren immer zahlreicher geworden. Beschränken Sie sich nicht auf eine Methode, sondern nutzen Sie einen Mix aus traditioneller und moderner Recherche - damit werden Sie die besten Ergebnisse erzielen.
Hilfe erhalten sie auch bei LOTSE! von der Universität Münster. Ob Literatursuche, Recherche oder Fragen zum wissenschaftlichen Schreiben - alle Informationen sind auf das jeweilige Fach, zum Teil sogar auf die Hochschule, ausgerichtet.
